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Ein
Kommentar von Cem Özdemir
Der Film KNALLHART, samt seiner glaubwürdigen
SchauspielerInnen, zeigt den Berliner Stadtteil Neukölln
mit all seinen sozialen Problemen ungeschminkt und ungeschönt.
Es ist ein künstlerisches Plädoyer gegen die Verwahrlosung
von Jugendlichen in Schulen mit überforderten Lehrern
und gegen einen Teufelskreis aus Drogen und Gewalt, der in
die Ausweglosigkeit führt.
Araber, die Drogen handeln,
Türken, die sich prügeln, und eine deutsche Blondine,
die sich von einem reichen Juristen aushalten lässt – und
trotzdem wendet sich dieser Film eben gerade nicht mit den
Mitteln ethnischer Stereotypisierung gegen die multikulturelle
Gesellschaft, sondern fordert dazu auf, hinzuschauen und sich
zu kümmern. KNALLHART verdeutlicht, dass wir unsere Städte
nicht einfach sich selbst überlassen dürfen, bis
auf der einen Seite die "besseren Familien" in
den "besseren Wohngegenden" leben und auf der anderen
Seite jene, die von Anfang an keine wirkliche Chance hatten,
weil sie "falscher" Herkunft sind oder nicht die
passende Muttersprache haben. Auch dürfen wir die Verantwortung
nicht allein bei den Schulen und der Polizei abladen, oder
bei den Eltern, die oftmals wollen, aber nicht können,
weil sie selbst nicht die Mittel haben, ihren Kindern eine
bessere Zukunft zu bieten.
Selbstverständlich sind die
Eltern, die Lehrer, die Gesellschaft, die Betroffenen selbst
gefordert. Aber vor allem muss der Staat – der auch und
gerade in Zeiten der Globalisierung alles andere als obsolet
ist – seiner Verantwortung gerecht werden und die Erziehung
der Kinder und Jugendlichen bestenfalls mit, notfalls gegen
die Eltern prägen. Vor allem wäre es jedoch endlich
an der Zeit, für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem
zu sorgen, damit auch Kinder und Jugendliche aus Arbeiterfamilien
und unteren Schichten am sozialen, kulturellen und politischen
Leben teilhaben können – ansonsten dürfen wir
uns kaum wundern, wenn eines Tages die "Revolte der Überflüssigen" (Ulrich
Beck) anbricht.
Zur Person: Cem Özdemir ist seit 2004
Abgeordneter des Europäischen Parlaments und Mitglied
der Fraktion Die Grünen/Freie Europäische Allianz.
Seine politischen Aufgabengebiete und Interessen umfassen die
Fragen europäischer Außenpolitik, insbesondere die
transatlantischen Beziehungen, und das Verhältnis EU-Türkei
sowie außerdem die deutsche und europäische Migrations-
und Integrationspolitik.
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