VITUS
VITUS

Schweiz 2006, 120 Minuten

Regie Fredi M. Murer. Mit: Fabrizio Borsani, Teo Gheorghiu, Julika Jenkins, Bruno Ganz, u a.

empfohlen ab 10 Jahren

Verleih: Filmladen Filmverleih

Vitus ist ein Junge wie von einem anderen Stern: Er hört so gut wie eine Fledermaus, spielt wunderbar Klavier und liest schon im Kindergarten den Brockhaus. Kein Wunder, dass seine Eltern eine ehrgeizige Karriere wittern: Vitus soll Pianist werden. Doch das kleine Genie bastelt lieber in der Schreinerei seines eigenwilligen Großvaters, träumt vom Fliegen und einer normalen Jugend. Schließlich nimmt Vitus mit einem dramatischen Sprung sein Leben in die eigene Hand.

Das Berührende an der raffiniert gewobenen Geschichte von VITUS ist, dass hier ein Kind die Probleme "seiner" Erwachsenen lösen muss, bevor es sich daran machen kann sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. VITUS ist auch die Biographie eines jungen Künstlers, der sein unglaubliches Potenzial zuerst dazu nutzen muss, sich die Freiräume zu erschaffen, die er für seine Entwicklung braucht.

VITUS ist eine universelle Geschichte, eine Liebeserklärung an die Kindheit und an die Musik, leichtflüssig, humorvoll und poetisch erzählt. Mit seinem Thema eines mit vielen Talenten versehenen (kleinen) Menschen, der sich den gesellschaftlichen Konventionen widersetzt, und mit seinem kinematographischen Interesse an der Welt der Sinne ist es ein typischer Murer-Film, und mehr noch der Film, den der Regisseur "schon immer einmal machen wollte". Seit über zwanzig Jahren geistere die Idee in seinem Kopf herum, eine realitätsnahe Menschwerdungsgeschichte mit utopischem Einschlag zu erzählen. Und ebenso lange stand fest, dass die kindliche Filmfigur Vitus heißen würde. Allerdings war Murer immer klar, dass das Projekt mit der Besetzung von Vitus stehen und fallen würde. Teo Gheorghiu heißt der Glücksfall, der den Film ermöglichte: Wenn der an der Purcell-School in London studierende Zwölfjährige im großen Saal der Züricher Tonhalle vor 1400 Zuhören mit dem Züricher Kammerorchester das Schumann-Klavierkonzert spielt, entspricht das dem Genius auch im wirklichen Leben. Teos kongenialer Schauspielpartner ist allen voran der großartige Bruno Ganz, dem die Rolle des sympathischen Großvaters sichtbar auf den Leib geschrieben worden ist. Die Szenen der Freundschaft zwischen ihm und dem Jungen dürfen zu den wunderbarsten Beziehungsschilderungen im Schweizer Film gehören.

"Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen (aber nur wenige erinnern sich daran)" schreibt Antoine de Saint-Exupéry in seinem Vorwort zum "Kleinen Prinzen". Fredi M. Murer verfolgt das gleiche Anliegen: Die Frage sei doch wie das Potenzial eines jeden Kindes ins Erwachsenenalter gerettet werden könne. VITUS ist eine Antwort darauf.

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