Slumdog Millionär

Slumdog Millionär

Regie: Danny Boyle, Lovleen Tandan. Drehbuch: Simon Beaufoy, nach dem Roman "Rupien! Rupien" von Vikas Swarup. Mit: Dev Patel, Freida Pinto, Madhur Mittal, Anil Kapoor, u. a.
Großbritannien/USA 2008, 120 Min., Farbe
Empfohlen ab 16  Jahren

In der indischen Version der populären "Millionenshow" sitzt ein 18-jähriger Waisenjunge dem Quizmaster gegenüber. Nur eine Frage trennt ihn noch vom Hauptpreis – da schreitet die Polizei ein. In einer Sendepause wird Jamal festgenommen und brutal verhört. Vier Erklärungen stehen zur Auswahl: A) Er hat betrogen. B) Er hatte Glück. C) Er ist ein Genie. D) Das Schicksal spielte mit. Im Bemühen, Antwort A aus Jamal herauszuprügeln, entlockt der Polizist dem Teeburschen eines Call-Centers in Rückblenden eine Lebensgeschichte, in der die Mutter als Muslimin vom Mob gelyncht wird, Bruder Salim zum Killer heranwächst und seine Jugendliebe Latika auf immer verloren scheint.

"Das Genie von SLUMDOG MILLIONÄR beginnt schon bei seiner Erzählung, die zwischen ihren drei chronologischen Ebenen (das Verhör durch die Polizei, Jamals Auftritt in der Gameshow und die fragmentarischen Flashbacks) fröhlich hin und her springt und in das Gewand einer Krimigeschichte schlüpft, in der es augenscheinlich um die Erklärung geht, wie und wann in seinem Leben Jamal die richtigen Antworten gelernt hat. Doch tatsächlich ist das nur das hochmodern geschmückte Gerüst für ein geradezu klassisches Märchen, die Geschichte eines Paares, das vom Schicksal und scheinbar unüberwindlichen sozialen Schranken immer wieder gnadenlos auseinander gerissen wird. Und schildert gleichzeitig das gegensätzliche Leben im Indien des jungen 21. Jahrhunderts. Nicht weniger genial und der eigentliche Triumph dieses Films ist jedoch die Inszenierung von Danny Boyle. Von der ersten Filmsekunde an packt Boyle das Publikum und zieht es in einen Strudel aus aberwitzigem Tempo, kraftvoll treibender Musik und einer geradezu explodierenden Collage aus dem erdigen Schmutz und der knallbunten Farbenpracht Indiens; eine cineastische Achterbahnfahrt so nah am Puls dieses Landes, dass man glauben könnte, Boyle habe sein ganzes Leben dort verbracht. SLUMDOG MILLIONÄR geht durch Mark und Bein, raubt einem in seinen größten Momenten den Atem, ist brutal realistisch und in der nächsten Minute zum Weinen schön. Kurz: Ganz großes Kino." (filmszene.de)