KNALLHART
KNALLHART

Deutschland 2006, 98 Minuten

Regie: Detlev Buck. Mit: David Kross, Arnel Taci, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Kai Michael Müller, Inanç Oktay Özdemiri, u a.

empfohlen ab 14 Jahren

Verleih: Filmladen Filmverleih

Nach einem heftigen Streit mit ihrem langjährigen Geliebten Dr. Peters ändert sich das sichere Leben von Miriam Polischka und ihres 15-jährigen Sohns Michael - kurz Polischka genannt - grundlegend: Die beiden müssen Peters Villa im vornehmen Zehlendorf verlassen und sich im chaotischen Berlin-Neukölln einquartieren. Vollauf beschäftigt mit der Suche nach einer guten Partie entgehen Miriam die Probleme ihres Sohnes in der neuen Umgebung. Polischka wird von einer Gang brutal zur Zahlung von Schutzgeld gezwungen, findet trügerische Sicherheit bei einer Bande von Drogenschmugglern und steht irgend wann vor der katastrophalsten Entscheidung seines Lebens.

Detlev Bucks Adaption des gleichnamigen (Jugend-)Romans von Gregor Tessnow ist ein intensives Adoleszenz-Drama, bis in die kleinsten Rollen überzeugend gespielt und ästhetisch auf der Höhe der Zeit. Packender und stimmiger kann ein Film über Jugendliche nicht sein.

Ein Kommentar von Cem Özdemir

Der Film KNALLHART, samt seiner glaubwürdigen SchauspielerInnen, zeigt den Berliner Stadtteil Neukölln mit all seinen sozialen Problemen ungeschminkt und ungeschönt. Es ist ein künstlerisches Plädoyer gegen die Verwahrlosung von Jugendlichen in Schulen mit überforderten Lehrern und gegen einen Teufelskreis aus Drogen und Gewalt, der in die Ausweglosigkeit führt.

Araber, die Drogen handeln, Türken, die sich prügeln, und eine deutsche Blondine, die sich von einem reichen Juristen aushalten lässt – und trotzdem wendet sich dieser Film eben gerade nicht mit den Mitteln ethnischer Stereotypisierung gegen die multikulturelle Gesellschaft, sondern fordert dazu auf, hinzuschauen und sich zu kümmern. KNALLHART verdeutlicht, dass wir unsere Städte nicht einfach sich selbst überlassen dürfen, bis auf der einen Seite die "besseren Familien" in den "besseren Wohngegenden" leben und auf der anderen Seite jene, die von Anfang an keine wirkliche Chance hatten, weil sie "falscher" Herkunft sind oder nicht die passende Muttersprache haben. Auch dürfen wir die Verantwortung nicht allein bei den Schulen und der Polizei abladen, oder bei den Eltern, die oftmals wollen, aber nicht können, weil sie selbst nicht die Mittel haben, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten.

Selbstverständlich sind die Eltern, die Lehrer, die Gesellschaft, die Betroffenen selbst gefordert. Aber vor allem muss der Staat – der auch und gerade in Zeiten der Globalisierung alles andere als obsolet ist – seiner Verantwortung gerecht werden und die Erziehung der Kinder und Jugendlichen bestenfalls mit, notfalls gegen die Eltern prägen. Vor allem wäre es jedoch endlich an der Zeit, für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu sorgen, damit auch Kinder und Jugendliche aus Arbeiterfamilien und unteren Schichten am sozialen, kulturellen und politischen Leben teilhaben können – ansonsten dürfen wir uns kaum wundern, wenn eines Tages die "Revolte der Überflüssigen" (Ulrich Beck) anbricht.

Zur Person: Cem Özdemir ist seit 2004 Abgeordneter des Europäischen Parlaments und Mitglied der Fraktion Die Grünen/Freie Europäische Allianz. Seine politischen Aufgabengebiete und Interessen umfassen die Fragen europäischer Außenpolitik, insbesondere die transatlantischen Beziehungen, und das Verhältnis EU-Türkei sowie außerdem die deutsche und europäische Migrations- und Integrationspolitik.

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UNTERRICHTSMATERIAL
  • Filmheft der Bundeszentrale für politische Bildung (Deutschland)
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