DIE FREMDE
DIE FREMDE

Deutschland 2010, 119 Minuten

Regie und Drehbuch: Feo Aladag. Mit: Sibel Kekilli, Florian Lukas, Nursel Köse, u. a.

deutsch, türkische Dialoge deutsch untertitelt

empfohlen ab 16 Jahren

Verleih: Filmladen Filmverleih

Nur wenige Einstellungen genügen Regisseurin Feo Aladag, die Geschichte zu etablieren und den Konflikt, der den Film durchzieht, zu umreißen: Die junge Türkin Umay ist des gewalttätigen Ehemanns überdrüssig und beschließt, mit ihrem kleinen Sohn Cem ein neues, selbstbestimmtes Leben zu beginnen. Vom tristen Vorort Istanbuls führt der Weg der beiden nach Berlin, wo Umay bei ihrer Familie eine vorübergehende Bleibe und Verständnis für ihre Entscheidung zu finden hofft. Schmerzlich muss sie erkennen, dass ihre Familie nicht dazu fähig scheint, die traditionellen Konventionen über Bord zu werfen und an der Herausforderung zu zerbrechen droht. Als der Vater und Umays älterer Bruder Mehmet beschließen, Cem in die Türkei zurückzuschicken und so den Ruf der Familie wieder herzustellen, flieht Umay in ein Frauenhaus. Beharrlich (und mit Erfolg) kämpft sie für ihre Unabhängigkeit und für die Sicherheit ihres Sohnes und wird dabei von ihrer besten Freundin Atife, ihrer Chefin und ihrem Arbeitskollegen Stipe, in den sie sich verliebt, unterstützt. Ebenso beharrlich versucht sie aber auch, die Verbindung zur Familie aufrecht zu erhalten und erkennt nicht, dass es dafür bereits zu spät ist. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Sechs Jahre lang recherchierte die in Wien geborene Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Feo Aladag das Thema "Ehrverbrechen", darunter den Aufsehen erregenden Fall der 2005 in Berlin ermordeten Hatun Sürücü, deren Tod in Deutschland eine Debatte über Zwangsehen und Wertvorstellungen von in Deutschland lebenden muslimischen Familien auslöste. DIE FREMDE ist jedoch keine Aufarbeitung dieses Falles, sondern der filmisch äußerst geglückte Versuch, sich den komplexen Mechanismen, die im Fall von Ehrverbrechen ausgelöst werden, behutsam und vor allem frei von Klischees zu nähern. Aus mehreren Fallgeschichten destillierte die Regisseurin einen Grundkonflikt zu einer emotionalen, authentischen und universellen Geschichte, ohne einzelne Figuren moralisch zu verurteilen.

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