DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI
DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI

Deutschland/Österreich 2004, 124 Minuten

Regie: Hans Weingartner. Mit: Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner, u. a.

empfohlen ab 14 Jahren

Verleih: Filmladen Filmverleih

Jan und Peter bewohnen gemeinsam eine herunter gekommene Wohnung in Berlin und teilen eine tief sitzende Wut über die soziale Ungerechtigkeit der Welt. Den "klassischen" Protest des Flugzettel-Verteilens und Demonstrierens lehnen sie ab, sie haben andere Mittel gefunden, es den Reichen zu zeigen. Nachts durchstreifen sie deren Wohnviertel, brechen in leer stehende Luxusvillen ein und hinterlassen ein kreatives Chaos. Und inmitten der fantasievoll aufgetürmten Pyramiden aus Stilmöbeln und Nippesfiguren finden die verdutzten Bewohner nach ihrer Rückkehr irritierende Nachrichten wie "Sie haben zu viel Geld" oder "Die fetten Jahre sind vorbei", unterzeichnet mit "Die Erziehungsberechtigten". Als Peters Freundin Jule wegen Mitrückständen ihre Wohnung verliert und vorüber gehend Unterschlupf bei Peter und Jan findet, ändert sich einiges im Leben der beiden Freunde. Denn Jan und Jule verlieben sich ineinander, und Jan lässt sich von Jule zu einem Einbruch in die Villa jenes Managers überreden, dem sie nach einem Unfall mit einem nicht versicherten Auto 100.000 Euro schuldet. Als die beiden von Hardenberg, dem Besitzer, überrascht werden, wird aus dem harmlosen Einbruch ein ungewollter Entführungsfall, der Jan, Jule und den zur Hilfe geeilten Peter mit ihrer "Geisel" in die Tiroler Berge führt.

"DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI hat viel mit den letzten zehn Jahren meines Lebens zu tun, in denen ich mehrfach versucht habe, politisch aktiv zu werden, und mehrfach gescheitert bin. Ich wollte immer Teil einer Jugendbewegung sein, aber ich habe nie wirklich eine gefunden. Ich war Punk als Punk schon vorbei war, ich war Hausbesetzer als es damit schon zu Ende ging. Ich glaube wir leben in einer Zeit, in der viele junge Menschen den Wunsch nach politischer Veränderung in sich tragen, aber nicht wissen, wie sie ihm zum Durchbruch verhelfen sollen. Es fehlen die Reibungsflächen und es fehlt die Gruppendynamik." (Hans Weingartner)

Diese persönliche Betroffenheit hat Weingartner in einen ebenso engagierten wie nachdenklich stimmenden Film eingearbeitet. DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI entzieht sich jeder Demagogie, lässt viel Raum für eigene Gedanken und Gefühle, stellt Fragen, ohne eindeutige Antworten vorzuschlagen. Zudem verbindet er die Geschichte des verunglückten Einbruchs und der daraus resultierenden Entführung mit einer Dreiecksgeschichte um die Freundschaft zweier junger Männer und der Frage, wer von den beiden das Mädchen bekommt. So funktioniert dieser glänzend gespielte, mit beweglicher Digitalkamera fotografierte Film als Porträt zweier Generationen und als Liebesgeschichte gleichermaßen. In der direkten Konfrontation der Entführer und ihres Opfers, das sich als Alt-Achtundsechziger entpuppt, stellt Weingartner die entscheidenden Fragen über die Möglichkeit und die Grenzen von Protest und politischer Revolte. Und "in einer großartigen Schlusspointe lässt er seinen Erziehungsberechtigten einen Augen zwinkernden Ausweg aus ihrem Dilemma." (Programmkino.de)

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UNTERRICHTSMATERIAL
  • Unterrichtsmaterial des Filmladen Filmverleihs
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