Inhaltsverzeichnis
Fakten zum Film
Der Film
Darstellung des Undarstellbaren?
Inszenierung von Geschichte
Das "Unternehmen Bernhard"
im Film und in der Realität
Biografien
Blüten, Blüten, Blüten
Eine kleiner Geschichte
des Geldfälschens
Survivor Guilt
Historische Hintergründe
Wirtschaft, Verbrechen
und das Erbe des Nationalsozialismus
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Historische Hintergründe
Wirtschaft, Verbrechen
und das Erbe des Nationalsozialismus
Ökonomische Zusammenhänge waren und sind Gegenstand kontroverser
Debatten in der Beurteilung des Nationalsozialismus. Versinnbildlicht
in plakativen Schlagwörtern von Autobahnbau, Beseitigung der
Arbeitslosigkeit usw. geben die zugrunde liegenden Fragen bis heute
Material für Vorstellung positiver Aspekte des Dritten Reichs
und seines Erbes ab. Der Nationalsozialismus war in der Weltwirtschaftskrise
mit dem Versprechen angetreten, über die Umformung der Gesellschaft
zu einer Volksgemeinschaft sich der als negativ empfundenen Seiten
des modernen Kapitalismus zu entledigen, ohne dabei die grundsätzlichen ökonomischen
Verhältnisse zu verändern. Die Orientierung auf eine rassisch
bestimmte Gemeinschaft sollte soziale Konflikte zum Verschwinden
bringen.
Grundlegender Zug nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik wurde
damit, dass vermeintliche Fortschritte auf Kosten von Ausgeschlossenen
und Benachteiligten erzielt wurden. Hier ist die "Arisierung" jüdischen
Eigentums ebenso zu nennen wie die Zwangsarbeit.
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INFO
Zur Zwangsarbeit und Entschädigung siehe:
www.versoehnungsfonds.at
BUCH
Zu Arisierung: Tina Walzer, Stephan Templ: Unser Wien. "Arisierung" auf österreichisch.
Berlin 2001.
VERMITTLUNG
Das Buch von Walzer und Templ eignet sich auch als Stadtführer
für einen Rundgang zu diesem Thema in Wien. |
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Ab 1939, also ab Kriegsbeginn, setzte zudem die wirtschaftliche
Ausbeutung der in ganz Europa besetzten Gebiete ein. Die Kriegsplanung
sah vor, dass der materielle Bedarf des Deutschen Reiches, das von
Importen unabhängig sein sollte, über die Ausplünderung
eroberter Gebiete gesichert werden wollte. Der Hungertod von Millionen "Minderwertiger" wurde
dabei mit eingeplant. Trotzdem blieb das Deutsche Reich fortwährend
auf Importe und somit Devisen angewiesen.
Das System der NS-Zwangsarbeit stand in einem Spannungsfeld zwischen
politischen und wirtschaftlichen Motiven der Nationalsozialisten. Zwangsarbeit
fungierte als wirtschaftliches Mittel der Bereicherung, als Herrschaftsinstrument,
sowie als Methode der Vernichtung. Betroffene waren die jüdische
Bevölkerung, Angehörige besetzter Nationen (hier vor allem
aus Osteuropa) sowie jene die als "Arbeitsunwillige" stigmatisiert
und in so genannten "Arbeitserziehungsanstalten" verschleppt
wurden. Aufgrund des kriegsbedingten Arbeitskräftemangels begann
die SS, KZ-Häftlinge an private und öffentliche Firmen zu "vermieten".
Im Zuge dessen wurden eigene Konzentrationslager (Nebenlager) in der
Nähe von Produktionsstätten gegründet. So wurden etwa
zahlreiche Außenlager des KZ Mauthausen aufgebaut, die dem Arbeitseinsatz
meist in rüstungsorientierten Unternehmen dienten. |
INFO
Die KZ Außenlager und Nebenlager sind auf der Homepage des
Mauthausen Memorials verzeichnet und beschrieben:
www.mauthausen-memorial.at
VERMITTLUNG
Nebenlager der Konzentrationslager Mauthausen und Dachau finden
sich im Gesamten Gebiet des heutigen Österreich. Exkursionen, Besichtigungen
und Schulprojekte über den Wissensstand zu diesen Orten und
ihrer Geschichte können den Schülern die regionale Nähe
der Geschichte verdeutlichen.
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Die Lebensbedingungen für Zwangsarbeiter/innen waren generell
schlecht, eine hohe Todesrate unter den Arbeitern wurde bewusst in
Kauf genommen. An manchen Orten, wie zum Beispiel im Fall des Mauthausener
Steinbruches, wurde die Zwangsarbeit auch direkt als Tötungsinstrument
eingesetzt.
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INFO
Zur Geschichte der Vernichtung durch Arbeit im Steinbruch Mauthausen
siehe
www.mauthausen-memorial.at |
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Kontinuitäten:
Die zentrale Schwierigkeit der österreichischen Gesellschaft
mit dem Nationalsozialismus bestand lange darin, dass diese Geschichte
mit 1945 nicht einfach vorbei war.
Die Gründer der zweiten österreichischen Republik wollten
sich darauf konzentrieren, möglichst schnell einen Staat aufzubauen,
der nach demokratischen Spielregeln funktionieren und nicht zwischen
den politischen Blöcken des Kalten Krieges aufgerieben werden
sollte. Um dieses Ziel zu erreichen, beschloss man, die unmittelbare
Vergangenheit als abgeschlossen zu betrachten und zu verschweigen.
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BUCH
Aus jüdischer Perspektive wird diese Kontinuität von Ruth
Beckermann dargestellt. Ruth Beckermann: Unzugehörig. Wien: 1989. |
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Die Täter des Nationalsozialismus wurden nur selten für
ihre Taten zur Verantwortung gezogen, die Opfer wurden nicht mehr
in die österreichische Gesellschaft integriert. Jene, denen
die Flucht aus Österreich gelungen war, wurden nicht eingeladen
zurückzukommen, und die Güter die ihnen geraubt worden
waren, wurden nicht oder nur in sehr kleinem Ausmaß wieder
zurückgegeben.
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BUCH
Zur schleppenden Restitution und "Wiedergutmachung" in Österreich:
Robert Knight: Ich bin dafür die Sache in die Länge zu ziehen.
Wien 2000.
Brigitte Bailer-Galanda: Wiedergutmachung – kein Thema. Österreich
und die Opfer des Nationalsozialismus. Wien 1993. |
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Die USA, die bis 1955 als Besatzungsmacht in Österreich verblieben,
forderten die Regierung immer wieder dazu auf, die ehemaligen Nationalsozialisten
zur Verantwortung zu ziehen. Die Regierung reagierte darauf mit halbherzigen
oder zeitlich stark befristeten Gesetzen – das politische Kalkül
war, dass die Nationalsozialisten von gestern bald auch die Wähler
von morgen sein würden.
Diese Ausgangssituation führte dazu, dass die Vergangenheit nicht aufgearbeitet,
sondern weitgehend verschwiegen wurde. Das hatte zur Folge, dass die NS-Täter
nie dazu angehalten wurden, über ihre Taten nachzudenken und diese zu bereuen:
Es entstand eine Situation verschwiegener Schuld, die schwer auf dem Land lastete.
Erst durch die Auseinandersetzung rund um die Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten
begann ein Aufarbeitungsprozess auf breiterer Ebene.
Weitere Meilensteine im Rahmen dieser Beschäftigung waren die
Wehrmachtsausstellung, die Einsetzung einer Historikerkommission des österreichischen
Parlaments zur Erforschung der NS-Geschichte, sowie die Einrichtung
des Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus, der von
allen Parteien des Parlaments mitgetragen wurde.
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INFO
Wehrmachtsausstellung
Österreichische
Historikerkommission
Nationalfonds |