Inhaltsverzeichnis
Fakten zum Film
Der Film
Darstellung des Undarstellbaren?
Inszenierung von Geschichte
Das "Unternehmen Bernhard"
im Film und in der Realität
Biografien
Blüten, Blüten, Blüten
Eine kleiner Geschichte
des Geldfälschens
Survivor Guilt
Historische Hintergründe
Wirtschaft, Verbrechen
und das Erbe des Nationalsozialismus
zurück
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Darstellung des Undarstellbaren?
Als bewusst geplante, staatlich organisierte und mit industriellen
Mitteln vollzogene Vernichtung einer Gruppe von Menschen, die um
ihrer selbst Willen, ohne das Kalkül eines konkreten wirtschaftlichen
oder politischen Nutzens vorangetrieben wurde, ist der Holocaust
ein einzigartiges Phänomen in der Geschichte der Moderne. Die
spezifische Eigenart des Phänomens ragt dabei in den Bereich
seiner künstlerischen Darstellung hinüber.
Gegenstand von Diskussionen sind dabei die historischen, sozialen
und politischen Deutungen des Holocaust, die in Filmen erkannt werden,
bzw. von ihnen abgeleitet werden, Diskussionen, die letztlich die
allgemeinen Streitpunkte um die geschichtliche Bedeutung des Holocausts,
seine Hintergrunde und Umstände, die Motivation
der Täter, die Schuld der deutschen (bzw. österreichischen) Gesellschaft
usw. verlängern. Im Zusammenhang mit bildlichen und schriftlichen Darstellungen
des antisemitischen Massenmordes stellt sich daneben aber immer auch die Frage
nach den Möglichkeiten und Grenzen solcher Repräsentationen. Im Kern
geht es dabei um die Frage, inwieweit die Besonderheit des Ereignisses auch eine
Besonderheit der Mittel der Darstellung notwendig macht, bzw. ob eine solche
Darstellung überhaupt möglich oder geboten ist. Als Repräsentationen
von Geschichte steht damit immer auch zur Disposition, in welchen Formen Filme
die Wahrheit des Gezeigten verbürgen, wie Filme Bezüge zur Historizität
des Geschehenen herstellen; Diskussionen, die auch nach den jeweiligen Möglichkeiten
dokumentarischer und fiktionalisierender Formen fragen. Derartige Diskussionen
lassen sich anhand einzelner paradigmatischer Filme nachvollziehen.
Eine der bedeutendsten dokumentarischen Annäherung an den Judenmord
ist Claude Lanzmanns Film "Shoah", den der Autor 1985 nach
zehnjähriger Arbeit fertig stellte. Das zehnstündige Epos
handelt, in den Worten des Autors von der "Radikalität
des Todes". Lanzmann sieht im Holocaust ein Ereignis, dem kein
Sinn zugesprochen werden kann, das in letzter Konsequenz insofern
auch nicht verstanden werden kann. "Shoah" arbeitet ausschließlich
mit gegenwärtigen Bildern der Orte des Verbrechens, und der
Befragung von Zeitzeugen: Opfern, Täter/inne/n und Zuschauer/inne/n.
Auf Archivmaterial wird gänzlich verzichtet. Jeder Versuch,
den Holocaust zu bebildern, muss in einer Trivialisierung enden,
meint Lanzmann. "Shoah" beschränkt sich darauf, sich
dem Phänomen über eine Spurensuche an Orten zu nähern,
die Ereignisse über Zeugenaussagen zu rekonstruierten. Durch
die Verweigerung der Unmittelbarkeit von nachgestellten Szenen oder
Archivmaterial wird der Film damit auch zu einem Werk über die
Erinnerung an den antisemitischen Massenmord.
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INFO
Am Frankfurter
Fritz-Bauer-Institut ist seit
einigen Jahren ein großes internationales Forschungsprojekt
zur Kinematographie des Holocausts angesiedelt. Unter dieser Adresse findet
sich neben Hinweisen auf die Arbeit der Forschungsgruppe eine umfassende
Datenbank zu filmischen Dokumenten als auch Spielfilmen.
Viele Hinweise zu Filmen und Texten bietet auch folgende Seite der Universität
Kiel
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Ganz im Gegensatz dazu versuchte die amerikanische
Fernseh-Mini-Serie "Holocaust" (1979) einige Jahre zuvor
Geschichte und Bedeutung des Holocausts einem breiten Publikum als
Familien-Saga näher zubringen. Die Serie erzählte anhand
der Schicksale einer Familie deutscher Juden zentrale Ereignisse
der Geschichte der Vernichtung von der Machtübernahme über
die Wannsee Konferenz, das Massaker von Babi Yar bis zum Warschauer
Ghettoaufstand als persönliche Geschichten. Unbestritten ist
dabei die ungeheure (positive wie negative) Resonanz, auf die der
Film sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland und Österreich
stieß. Der Begriff "Holocaust" wurde im deutschen
Sprachraum erst durch die Fernseh-Mini-Serie eingeführt. Diese
ungeheure Wirkung war nicht zuletzt seiner dramatischen Form geschuldet.
Befürworter/innen argumentierten deshalb, dass die Auseinandersetzungen,
Diskussionen und das Interesse, das der Film auslöste, seine
Form rechtfertigen würden. Kritiker/innen warnten hingegen vor
einer Trivialisierung des Themas, und kritisierten dass diese Form
der eingängigen Erzählung der Komplexität und dem
Ernst des Themas nicht angemessen wäre.
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VERMITTLUNG
Unter www.zuschauerpost.de findet
sich Material, das 1979 zur Ausstrahlung der Serie "Holocaust” in
der deutschen Fernsehzeitschrift "Hörzu" veröffentlicht
wurde.
Schüler/innen diskutieren diese Texte und Stellungnahmen unter
den folgenden Gesichtspunkten:
- Welche Argumente für oder gegen die Serie werden eingebracht?
- Welche Argumente richten sich gegen die konkrete Inszenierung der Serie,
welche stellen die Möglichkeit einer fiktionalen Bearbeitung für
das Fernsehen generell in Frage?
- Welche Erwartungen werden an ein derartiges Unterfangen geknüpft?
- Welche besonderen Erwartungen und Regeln werden für filmische Bearbeitungen
des Holocausts eingebracht?
- Welche "Lehren" bzw. "Botschaften" werden den Filmen
zugeschrieben?
- Wie werden die Eindrücke, die die Serie hinterlässt, mit persönlichem
Hintergrund und eigener Geschichte verknüpft?
Ähnliche Fragen lassen sich auch an Kritiken von DIE FÄLSCHER
stellen.
Auszüge von Kritiken und Links zu den Volltexten finden
sich auf dieser
Seite zum Film .
Weitere Links
Im Anschluss daran kann darüber diskutiert werden, wie sich
die Verhandlung filmischer Darstellungen des Holocausts in den letzten
30 Jahren verändert hat.
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Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" (1993)
war ein weiterer kontrovers diskutierter Versuch, den Holocaust als
episches Melodram zu inszenieren. Spielberg bezog sich mit seinem Film
auf die Geschichte des deutschen Industriellen Oskar Schindler, der
zahlreichen jüdischen KZ-Häftlingen das Leben rettete, indem
er sie, zunächst nicht ohne Eigennutz, als Arbeitskräfte
seiner Fabriken der Vernichtung zu entziehen versuchte. Insbesondere
in Österreich und Deutschland, als Nachfolgegesellschaften des
Dritten Reiches, entzündete sich eine Diskussion darüber,
inwieweit der Film in diesen Gesellschaften durch die Wahl eines Deutschen
als Helden und das Happy End zu einer falschen Katharsis einladen würde.
Dabei wurde der Fokus auf eine Gruppe von Menschen gelegt, die im Grunde
ein für die Judenvernichtung untypisches Schicksal haben: Sie überleben.
Der Film, meinten manche Kritiker, würde zwar eine Ikonographie
der Betroffenheit bespielen, letztlich aber gerade dadurch den Weg
zu einer Auseinandersetzung, wie er in den Tätergesellschaften
notwendig wäre, versperren.
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