Inhaltsverzeichnis
Fakten zum Film
Der Film
Darstellung des Undarstellbaren?
Inszenierung von Geschichte
Das "Unternehmen Bernhard"
im Film und in der Realität
Biografien
Blüten, Blüten, Blüten
Eine kleiner Geschichte
des Geldfälschens
Survivor Guilt
Historische Hintergründe
Wirtschaft, Verbrechen
und das Erbe des Nationalsozialismus
zurück
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Blüten, Blüten, Blüten
Eine kleiner Geschichte
des Geldfälschens
"Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte
oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird
mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft." (§ 146
StGB)
Das "Unternehmen Bernhard" ist das wohl eindrücklichste
Beispiel für organisierte, in diesem speziellen Fall gar von
staatlicher Seite beauftragte, Geldfälschung. Es gilt als die
größte Fälschungsaktion aller Zeiten, und ihr unfreiwilliger "Oberfälscher" Salomon
Smolianoff – das reale Vorbild des Salomon Sorowitsch aus DIE
FÄLSCHER – war ein echter Meister seines Fachs.
Die Geschichte des Geldfälschens reicht dabei Jahrhunderte
zurück, ist beinahe genauso alt wie die Erfindung des Geldes
selbst. So ist bekannt, dass schon der Tyrann Polykrates im 6. Jahrhundert
vor Christus auf Samos von seinen Sklaven Münzen aus Blei herstellen
ließ. Diese waren nur hauchdünn mit Gold überzogen,
seine Feinde sollten so um eine vermeintlich reiche Kriegsbeute gebracht
werden. Das Strafmaß für Geldfälschung war in früheren
Zeiten drastisch: Es reichte vom Abhacken einer Hand über das
Sieden in Öl, zu Zeiten des Heiligen Römischen Reichs wurden
Geldfälscher sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt, im 18.
Jahrhundert erhängt.
In den meisten Fällen diente das Geldfälschen in früheren
Zeiten dem Zweck der individuellen Bereicherung. Als einer der berühmtesten
Einzelfälscher ging z.B. der in den 1950iger Jahren festgenommene
Deutsche Karl Peglow in die Geschichte ein, er wurde als wahrer Meisterfälscher
von den Medien gefeiert und sogar mit Salomon Smolianoff verglichen.
Peglow fälschte und verbreitete 10- und 20-DM-Scheine so unmerklich,
dass die Polizei ihm erst Jahre später auf die Schliche kam.
In anderen Fällen hingegen – wie auch in dem des "Unternehmen
Bernhard" – war das Geldfälschen politisch motiviert. So
wurde in Kriegszeiten das Fälschen einer fremden Währung
zur Schwächung des gegnerischen Geldsystems eingesetzt: Die Überschwemmung
der feindlichen Wirtschaft mit Blüten sollte zu inflationsähnlichen
Zuständen und in Folge dessen zu einer Abnahme der Kaufkraft
führen – letztendlich mit dem Ziel, die Bevölkerung
zu demoralisieren. Ganz nebenbei beschafft man sich durch Fälschung
feindlicher Währungen Devisen und füllt die Kriegskasse
im Handumdrehen.
1776 z.B. fälschten die USA während des Unabhängigkeitskrieges
britisches Geld, die Stabilität der Währung sollte beschädigt
und dadurch militärische Aktionen der Engländer erschwert
werden.
England wiederum fälschte um 1789 französische Assignaten,
um die Französische Revolution zu schwächen. Napoleon gab
seinerseits Fälschungen für russisches und österreichisches
Geld in Auftrag, der Geheimdienst der Deutschen Reichswehr ließ in
den 1920er Jahren französische Francs und sowjetische Banknoten
drucken.
Auch in jüngerer Zeit ist das System der "monetären
Kriegsführung" nach wie vor aktuell. So tauchten seit den
1970er-Jahren in verschiedenen Teilen der Welt so genannte "Superdollars" auf,
gefälschte amerikanische 100-Dollar-Noten, die teilweise auf
echtem Papier von 1-Dollar-Noten gedruckt waren. Im Iran z.B. sollen
in den 1970ern "Superdollars" mit englischen Druckmaschinen
hergestellt und über ein weit verzweigtes Netz in den westlichen
Wirtschaftskreislauf eingeschleust worden sein. 1991 wiederum brachte
der Irak durch den Kauf von Waffen einen Teil der während der
Besetzung Kuwaits erbeuteten US-Dollars in Umlauf, 40 % von ihnen
sollen "Superdollars" gewesen sein.
Der amerikanische Terrorismus-Experte Neil Livingston berichtet
von V-Männern und Undercover-Agenten, die Beweise dafür vorlegten,
dass "Superdollars" über extremistische Organisationen
verteilt worden seien. Damit scheint sich auch der "moderne Krieg" Terrorismus
den Mitteln der Geldfälschung zu bedienen. Und moderne Fälscher
scheinen immer seltener Einzeltäter zu sein, sondern zunehmend
Mitglieder der organisierten Kriminalität. Immer enger ist das
Geldfälschen mit Delikten wie Geldwäsche, Drogenhandel, Menschenhandel
und Schleusungskriminalität verbunden.
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BUCH
Zum Thema "Fälschung" gibt es eine Fülle an Literatur.
Karlheinz Walz: "Falschgeld. Spannendes und Kriminalistisches,
Ernstes und Amüsantes aus der Welt der Geldfälscher." Frankfurt:
1999.
Georg Kretschmann: Faszination Fälschung. Berlin: 2001.
INFO
Fälschungen werden auch immer wieder aus künstlerischer
Motivation hergestellt – um zu verstören und zum nachdenken
anzuregen, zum Beispiel im Werk des amerikanischen Künstlers
J.S. Boggs:
www.artfacts.net
artscenecal.com |
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Was die übrigen Blüten aus der Fälscherwerkstatt
im KZ Sachsenhausen betrifft, so wurden sie, gemeinsam mit diversem
Kriegsgerät, von den fliehenden SS-Mannschaften 1945 im österreichischen
Toplitzsee versenkt. Aufgrund des niedrigen Sauerstoffanteils in
den tiefen Regionen des Sees blieb das Papiergeld erhalten. Seither
ranken sich Gerüchte um einen Schatz im See. In den 80er Jahren
wurden von Tauchern des Bundesheeres Kisten mit Druckstöcken
und Papiergeld geborgen. Den Mythos über die verborgenen Schätze
des Dritten Reiches konnte aber auch die Bergung nicht beenden.
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VERMITTLUNG
Viele historische Details des Nationalsozialismus sind heute Teil
populärer Mythen. Schüler fragen in ihren Familien und
ihrem Umfeld nach dem Wissensstand um den "Schatz im Toplitzsee" – anhand
der Ergebnisse kann in Diskussionen ein Bild vom Bewusstseinsstand über Österreichs
NS-Vergangenheit geführt werden.
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