Blüten, Blüten, Blüten

Eine kleiner Geschichte des Geldfälschens

"Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft." (§ 146 StGB)

Das "Unternehmen Bernhard" ist das wohl eindrücklichste Beispiel für organisierte, in diesem speziellen Fall gar von staatlicher Seite beauftragte, Geldfälschung. Es gilt als die größte Fälschungsaktion aller Zeiten, und ihr unfreiwilliger "Oberfälscher" Salomon Smolianoff – das reale Vorbild des Salomon Sorowitsch aus DIE FÄLSCHER – war ein echter Meister seines Fachs.

Die Geschichte des Geldfälschens reicht dabei Jahrhunderte zurück, ist beinahe genauso alt wie die Erfindung des Geldes selbst. So ist bekannt, dass schon der Tyrann Polykrates im 6. Jahrhundert vor Christus auf Samos von seinen Sklaven Münzen aus Blei herstellen ließ. Diese waren nur hauchdünn mit Gold überzogen, seine Feinde sollten so um eine vermeintlich reiche Kriegsbeute gebracht werden. Das Strafmaß für Geldfälschung war in früheren Zeiten drastisch: Es reichte vom Abhacken einer Hand über das Sieden in Öl, zu Zeiten des Heiligen Römischen Reichs wurden Geldfälscher sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt, im 18. Jahrhundert erhängt.

In den meisten Fällen diente das Geldfälschen in früheren Zeiten dem Zweck der individuellen Bereicherung. Als einer der berühmtesten Einzelfälscher ging z.B. der in den 1950iger Jahren festgenommene Deutsche Karl Peglow in die Geschichte ein, er wurde als wahrer Meisterfälscher von den Medien gefeiert und sogar mit Salomon Smolianoff verglichen. Peglow fälschte und verbreitete 10- und 20-DM-Scheine so unmerklich, dass die Polizei ihm erst Jahre später auf die Schliche kam.

In anderen Fällen hingegen – wie auch in dem des "Unternehmen Bernhard" – war das Geldfälschen politisch motiviert.  So wurde in Kriegszeiten das Fälschen einer fremden Währung zur Schwächung des gegnerischen Geldsystems eingesetzt: Die Überschwemmung der feindlichen Wirtschaft mit Blüten sollte zu inflationsähnlichen Zuständen und in Folge dessen zu einer Abnahme der Kaufkraft führen – letztendlich mit dem Ziel, die Bevölkerung zu demoralisieren. Ganz nebenbei beschafft man sich durch Fälschung feindlicher Währungen Devisen und füllt die Kriegskasse im Handumdrehen.

1776 z.B. fälschten die USA während des Unabhängigkeitskrieges britisches Geld, die Stabilität der Währung sollte beschädigt und dadurch militärische Aktionen der Engländer erschwert werden.
England wiederum fälschte um 1789 französische Assignaten, um die Französische Revolution zu schwächen. Napoleon gab seinerseits Fälschungen für russisches und österreichisches Geld in Auftrag, der Geheimdienst der Deutschen Reichswehr ließ in den 1920er Jahren französische Francs und sowjetische Banknoten drucken.

Auch in jüngerer Zeit ist das System der "monetären Kriegsführung" nach wie vor aktuell. So tauchten seit den 1970er-Jahren in verschiedenen Teilen der Welt so genannte "Superdollars" auf, gefälschte amerikanische 100-Dollar-Noten, die teilweise auf echtem Papier von 1-Dollar-Noten gedruckt waren. Im Iran z.B. sollen in den 1970ern "Superdollars" mit englischen Druckmaschinen hergestellt und über ein weit verzweigtes Netz in den westlichen Wirtschaftskreislauf eingeschleust worden sein. 1991 wiederum brachte der Irak durch den Kauf von Waffen einen Teil der während der Besetzung Kuwaits erbeuteten US-Dollars in Umlauf, 40 % von ihnen sollen "Superdollars" gewesen sein.

Der amerikanische Terrorismus-Experte Neil Livingston berichtet von V-Männern und Undercover-Agenten, die Beweise dafür vorlegten, dass "Superdollars" über extremistische Organisationen verteilt worden seien. Damit scheint sich auch der "moderne Krieg" Terrorismus den Mitteln der Geldfälschung zu bedienen. Und moderne Fälscher scheinen  immer seltener Einzeltäter zu sein, sondern zunehmend Mitglieder der organisierten Kriminalität. Immer enger ist das Geldfälschen mit Delikten wie Geldwäsche, Drogenhandel, Menschenhandel und Schleusungskriminalität verbunden.

 

BUCH

Zum Thema "Fälschung" gibt es eine Fülle an Literatur.

Karlheinz Walz: "Falschgeld. Spannendes und Kriminalistisches, Ernstes und Amüsantes aus der Welt der Geldfälscher." Frankfurt: 1999.

Georg Kretschmann: Faszination Fälschung. Berlin: 2001.

INFO

Fälschungen werden auch immer wieder aus künstlerischer Motivation hergestellt – um zu verstören und zum nachdenken anzuregen, zum Beispiel im Werk des amerikanischen Künstlers J.S. Boggs:

www.artfacts.net

artscenecal.com

Was die übrigen Blüten aus der Fälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen betrifft, so wurden sie, gemeinsam mit diversem Kriegsgerät, von den fliehenden SS-Mannschaften 1945 im österreichischen Toplitzsee versenkt. Aufgrund des niedrigen Sauerstoffanteils in den tiefen Regionen des Sees blieb das Papiergeld erhalten. Seither ranken sich Gerüchte um einen Schatz im See. In den 80er Jahren wurden von Tauchern des Bundesheeres Kisten mit Druckstöcken und Papiergeld geborgen. Den Mythos über die verborgenen Schätze des Dritten Reiches konnte aber auch die Bergung nicht beenden.

 

VERMITTLUNG

Viele historische Details des Nationalsozialismus sind heute Teil populärer Mythen. Schüler fragen in ihren Familien und ihrem Umfeld nach dem Wissensstand um den "Schatz im Toplitzsee" – anhand der Ergebnisse kann in Diskussionen ein Bild vom Bewusstseinsstand über Österreichs NS-Vergangenheit geführt werden.

Impressum   •   Kontakt: office@filmladen.at   •   Webdesign: mroth.org   •   VOTIV KINO   •   filmladen   •   letzte Aktualisierung: 23.04.2007
23.04.2007