Biografien

Salomon Smolianoff ("Salomon Sorowitsch")

Der Wiener Schauspieler Karl Markovics spielt Salomon Sorowitsch. Bekannt wurde er durch die Fernsehserien "Kommissar Rex" und "Stockinger", durch den Film "Komm, süßer Tod" und zahlreiche Bühnen-Auftritte.

Markovics über Sorowitsch/Smolianoff:

"Die Rolle des Salomon Sorowitsch ist sehr vielschichtig. Eben nicht nur Gauner und Schlawiner. Er hatte auch eine idealistische Seite in sich, diese aber für einen Lebenspragmatismus verdrängt. Man kommt im Leben leichter durch, wenn man sich keine großen Gedanken macht über Recht, Unrecht, Moral, Charakter.

Der Reiz für mich war, eine Figur zu spielen, durch die und ausschließlich durch deren Augen der Zuschauer eine Geschichte sieht. Egal, ob er die Figur mag oder nicht. Der Charakter ist ja über lange Strecken sehr ambivalent, aber der Zuschauer muss die Geschichte mit der Figur Sorowitsch erleben. Bald geht es um die Frage, was ist ein Mensch und die Erkenntnis, dass es in jedem von uns verschiedene Seiten gibt und man sich irgendwann entscheiden muss."

(Quelle: www.zdf.de)

 

Karl Markovics Karl Markovics

Salomon Smolianoff wurde 1887 in Odessa geboren, wo er Malerei studierte. Aufgrund der stalinistischen Judenverfolgungen floh er aus Russland nach Westeuropa.

 

INFO

Die europäischen Juden waren nicht erst seit dem Nationalsozialismus massiver Verfolgung ausgesetzt. Die Geschichte der Judenverfolgung hat rassistische und religiöse Wurzeln in der europäischen Geschichte.

Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Antisemitismus

Hier begann er seine Karriere als Fälscher. Bereits in der Zwischenkriegszeit stellte Smolianoff Banknoten unterschiedlichster Währungen sowie Ausweise und Reisedokumente her und wurde dafür von den Behörden gesucht. Seine Banknoten waren damals so gut, dass kaum jemand sie entlarven konnte. Dies führte zu Smolianoffs Ruf als bestem Fälscher seiner Zeit.

1936 wurde Smolianoff erneut wegen Geldfälschung verhaftet und zu fünf Jahren Haft verurteilt, wurde jedoch bald nach seiner Verurteilung in das Konzentrationslager Mauthausen verschleppt, wo er bis 1942 verblieb. Danach leitete er die Dollarproduktion der Fälschwerkstatt in Sachsenhausen. Im Februar 1945 wurde er im KZ Ebensee von amerikanischen Soldaten befreit.

Nach der Befreiung lässt sich Smolianoffs Biographie nur mehr schwer verfolgen. Ende der 40er Jahre wurde er an der Grenze von Italien zur Schweiz festgehalten, da er wieder der Fälschung internationaler Banknoten beschuldigt wurde.

Die Situation Smolianoffs in Europa wurde schließlich unhaltbar, und er emigrierte mit seiner Familie nach Südamerika, wo er ein stilles Leben führte und angeblich ein Spielzeuggeschäft führte.

BUCH

Südamerika war ein Emigrationsziel sowohl für jüdische Verfolgte und Überlebende des Nationalsozialismus als auch für ehemalige Täter, die einer Bestrafung in der Nachkriegszeit entgehen wollten.

Rena Giefer u. Thomas Giefer, Die Rattenlinie. Fluchtwege der Nazis. Eine Dokumentation, 2. Auflage, Frankfurt am Main 1992.

Irmtrud Wojak: Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. (Frankfurt: 2004)

Adolf Burger ("Burger”)

Der Berliner Schauspieler August Diehl spielt Adolf Burger. Diehl ist bekannt aus dem Film "23 – Nichts ist so wie es scheint" sowie aus "Was nützt die Liebe in Gedanken" und "Lichter".

Diehl über Burger:

"Irgendwann habe ich gemerkt, dass es eine andere Rolle als die des echten Burger ist. Der hat ja nie sabotiert oder andere in Gefahr gebracht. Auch bin ich im Film zu Gewalt bereit, der echte Burger war das nicht. Ich fand es interessant, eine Figur zu spielen, die eigentlich für die richtige Sache kämpft. Es stellt sich aber heraus, dass er genau derjenige ist, der die ganze Gruppe in Gefahr bringt mit seiner guten Haltung. Und das ist auch das Thema des Films. Was ist eine gute Haltung und was heißt es zu überleben? Wie verhalte ich mich in einer Extremsituation? Und was ist Moral? Burger scheint der gute Mensch zu sein, der die richtige Sache vertritt – aber er ist auch ein Egoist, der sich und alle mit seiner Haltung in Gefahr bringt. Das Verfechten eines Prinzips ist auch ein Überlebensrezept. Der Zuschauer soll sich fragen, ist es richtig, was Burger getan hat oder nicht. Und ich mag es, dass der Film darauf keine Antwort gibt. Er zeigt nur auf, dass es anscheinend in uns allen diese beiden Haltungen gibt, die miteinander kämpfen – Überleben versus Moral."

(Quelle: www.zdf.de)

Adolf Burger, geboren 1917 in der heutigen Slowakei, war von Beruf Buchdrucker und Setzer. Als ab 1938 die nationalistischen, von Nazi-Deutschland abhängigen Kreise die Macht in der Slowakei übernahmen, schloss Burger sich dem kommunistischen Untergrund an. Dort lernte er auch seine spätere Frau Gisela kennen.

 

Karl Markovics August Diel

1942 wird Burger verhaftet und gemeinsam mit seiner Frau ins KZ Auschwitz verschleppt. Seine Frau wird bereits kurz nach der Ankunft ermordet. Burger selbst wird im Februar 1944 ins KZ Sachsenhausen überstellt wo er in der Fälscherwerkstätte untergebracht wird.

Nach der Befreiung im KZ Ebensee am 5. Mai 1945 durch amerikanische Soldaten zog Adolf Burger nach Prag, wo er bis heute lebt.

 

BUCH

Viele Überlebende der nationalsozialistischen Konzentrationslager hatten nach ihrer Befreiung keinen Ort mehr an den sie zurückkehren konnten: Ihre Familien und Freunde waren vertrieben oder ermordet worden und die politische Situation des beginnenden Kalten Krieges verursachte zahlreiche Beschränkungen. Als so genannte DPs (displaced persons) blieben sie vielfach noch Jahre lang in Durchgangs- oder Flüchtlingslagern in Österreich.

Thomas Albrich: Exodus durch Österreich. Die jüdischen Flüchtlinge 1945-1948. Innsbruck 1987.

INFO

VERTREIBUNG UND EMIGRATION

Auf der Homepage des Jüdischen Museums Berlin findet sich eine Online-Ausstellung die Auseinandersetzung mit Aspekten von Emigration, Flucht und Vertreibung anhand von reproduzierten Dokumenten möglich macht.

Umfassende Informationen zu Umständen, Geschichte und Folgen der erzwungenen Emigration zwischen 1933 und 1945 bietet:

Claus-Dieter Krohn, Patrik von ZurMühlen, Gerhard Paul (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933-1945, Darmstadt 1998

Seit den achtziger Jahren besucht Burger deutsche Schulen um seine Geschichte zu erzählen und die Schüler über den Nationalsozialismus aufzuklären. Bis heute ist auf Adolf Burgers rechtem Unterarm die Nummer 64401 zu erkennen, die ihm 1942 in Auschwitz eintätowiert wurde.

 

VERMITTLUNG

Es gibt unterschiedliche Organisationen und Programme die sich um die Begegnung von Schüler/inne/n und Zeitzeug/inn/en bemühen. Unter anderem:

www.lettertothestars.at

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