Das "Unternehmen Bernhard" im Film und in der Realität

Eine Baracke mit Pingpong-Tisch, bunten Abenden und ständiger Operetten-Berieselung – Details, die zu grotesk sind, als dass sie sich ein Drehbuchautor hätte ausdenken können: Momentaufnahmen aus der historischen Fälscherwerkstatt im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Die Geschichte dieser Fälscherwerkstatt und des ihr zu Grunde liegenden "Unternehmen Bernhard" ist die historische Grundlage für DIE FÄLSCHER. Das Unternehmen, ein von den Nationalsozialisten unter der Leitung des ehemaligen Falschgeldfahnders und nunmehrigen Sturmbannführers Bernhard Krüger erdachter Geheimplan, wurde 1942 ins Leben gerufen. Sein Ziel war u.a. die Fälschung von britischen Pfund und US-Dollars, zunächst, um damit die feindliche Wirtschaft durch Inflation und einen Vertrauensverlust in die jeweilige Währung zu schwächen, später auch, um kriegswichtige Investitionen z.B. in die Rüstung und den dringend nötigen Ankauf von Rohstoffen zu tätigen.

Das Personal für die Fälscherwerkstatt fanden die Nazis in ihren Konzentrationslagern. Von überall her wurden Spezialisten mit Fälscher-Knowhow – inhaftierte Bankangestellte, Drucker, Grafiker oder Typografen und professionelle Fälscher – nach Sachsenhausen gebracht, um dort den Plan in die Tat umzusetzen. Von der Außenwelt abgeschirmt, wurden die überwiegend jüdischen Häftlinge in Block 18 und 19 des Lagers Sachsenhausen dazu gezwungen, für das streng geheime Unternehmen der Nazis zu fälschen. Die jüdischen Häftlinge waren für die Nazis eine zusätzliche Garantie für die Geheimhaltung des Projektes – sie konnten jederzeit von den SS-Schergen umgebracht werden.

 

 

 

 

BUCH

Adolf Burger: Des Teufels Werkstatt. München 2007.

 

VERMITTLUNG

Unter den Häftlingen der Fälscherbaracke gab es massive Spannungen die ihren Grund in unterschiedlichen sozialen Hintergründen und politischen Überzeugungen hatten.

Vor dem Besuch des Filmes werden einzelne Schüler/innen aufgefordert besonders auf einzelne Häftlinge zu achten um in einer Diskussion nach dem Film festzustellen wer diese Personen sind, wie ihr Leben vor dem Nationalsozialismus aussah und was sie wohl nach der Befreiung aus dem KZ machten.

Ziel: Während heute "die Juden" als eine Gruppe Verfolgter gesehen werden, so handelte es sich in Wirklichkeit um heterogene Individuen – die Erkenntnis, dass es um unterschiedliche einzelne Schicksale und Biographien geht, gibt den Schüler/inne/n die Möglichkeit sich mit den Opfern des Holocaust zu identifizieren.

Im "Goldenen Käfig", wie die Insassen ihre Abteilung nannten, wurde vor allem Falschgeld gedruckt, zudem auch Ausweise und Drucksorten für den Geheimdienst, sowie Briefmarken mit propagandistischen Aufdrucken. Insgesamt wurden zwischen 1942 und 1945 in Sachsenhausen 134 Millionen Pfund hergestellt – das Dreifache der Währungsreserven Großbritanniens. Fast 150 Häftlinge arbeiteten daran, Banknoten zu 5, 10, 20 und 50 Pfund herzustellen. Die Fälschungen des "Unternehmen Bernhard" waren so perfekt, dass sie kaum vom Original unterschieden werden konnten.

INFO

Gedenkstätte
Sachsenhausen mit
online-Ausstellung

Als den Häftlingen trotz eigener Verzögerungstaktik schließlich das englische Pfund perfekt gelang, erhielten sie sofort den Auftrag, den US-Dollar zu fälschen. Um die "Dollar-Gruppe" zu unterstützen, brachte Krüger 1944 einen neuen Häftling in die Fälscherwerkstatt, Salomon Smolianoff, genannt "Solly", ein russisch-jüdischer Kunstmaler und der berüchtigtste Kunst- und Geldfälscher seiner Zeit. Er ist das Vorbild der Hauptfigur der FÄLSCHER, Salomon Sorowitsch. Wie Sorowitsch landete Smolianoff auch in der Realität vor dem Krieg im Gefängnis, weil er wegen einer schönen Frau eine Nacht zu lange in Berlin geblieben war. Und genau wie es im Film der spätere Lagerkommandant Friedrich Herzog war, der Sorowitsch verhaftete, war es in der Realität Krüger, der den "echten Sorowitsch" Smolianoff ins Gefängnis brachte. 1939 wurde er in das KZ Mauthausen überstellt, dort gelang es ihm, sich den SS-Wachen als Portraitmaler anzudienen – und so kam er im Jahr 1944 "mit einem kleinen Bäuchlein" (Zitat Adolf Burger) in der Fälscherwerkstatt Sachsenhausen an.

Doch das Jahr ging auch mit Smolianoff zu Ende, ohne dass ein brauchbarer Dollar gedruckt wurde. Die Gruppe schaffte es, das schwierige Druckverfahren über mehrere Monate zu verzögern. Smolianoff beteiligte sich nicht an den Sabotage-Aktionen anderer Gruppenmitglieder, der Meisterfälscher arbeitete hart und zeigte, was er konnte. Doch seine Kameraden wollten die Produktion so lange wie möglich hinausschieben und verdarben absichtlich die zum Druck benötigte Gelatine.

Als die nun unter Druck stehenden Lagerkommandanten der Gruppe mit Erschießungen drohten, stoppten die Häftlinge die Sabotagen und lieferten die ersten perfekten Dollarblüten. Ihr Ziel hatten sie jedoch erreicht, die Verzögerungstaktik war erfolgreich: Die Alliierten waren im Anmarsch, und der gefälschte Dollar konnte nicht mehr in Massenproduktion gehen.

Das Ende des "Unternehmen Bernhard"

Die filmische Erzählung endet im KZ Sachsenhausen. Die historischen Vorbilder wurden Anfang 1945, als die Ostfront zusammenbrach und die Russen in einem Generalangriff die Oder überquerten und Richtung Berlin marschierten, nach Süden transferiert. Die gesamte Fälscherwerkstatt wurde in Richtung "Alpenfestung", zunächst nach Mauthausen und dann in das KZ Nebenlager Ebensee, gebracht, wo sie von der US-Armee befreit wurden. Die herannahenden Alliierten bedrohten die Versuche der Nazis, das Falschgeld in Sicherheit zu bringen. So versenkten SS-Angehörige im Mai 1945 zahlreiche Kisten mit gefälschten britischen Pfundnoten im Toplitzsee.

Die Spuren des Oberfälschers Smolianoff verloren sich nach seiner Befreiung. Gerüchteweise tauchte er kurz nach Kriegsende in Monte Carlo auf, wo er viel Geld im Casino verspielte.

 

BUCH

Zum Widerstand in den Konzentrationslagern:

Hermann Langbein: . . . nicht wie die Schafe zur Schlachtbank. Widerstand in den Nationalsozialistischen Konzentrationslagern 1938-1945. Frankfurt 1980.

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