Inhaltsverzeichnis
Fakten zum Film
Der Film
Darstellung des Undarstellbaren?
Inszenierung von Geschichte
Das "Unternehmen Bernhard"
im Film und in der Realität
Biografien
Blüten, Blüten, Blüten
Eine kleiner Geschichte
des Geldfälschens
Survivor Guilt
Historische Hintergründe
Wirtschaft, Verbrechen
und das Erbe des Nationalsozialismus
zurück
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Das "Unternehmen Bernhard" im Film und in der Realität
Eine Baracke mit Pingpong-Tisch, bunten Abenden und ständiger
Operetten-Berieselung – Details, die zu grotesk sind, als dass
sie sich ein Drehbuchautor hätte ausdenken können: Momentaufnahmen
aus der historischen Fälscherwerkstatt im Konzentrationslager
Sachsenhausen.
Die Geschichte dieser Fälscherwerkstatt und des ihr zu Grunde
liegenden "Unternehmen Bernhard" ist die historische Grundlage
für DIE FÄLSCHER. Das Unternehmen, ein von den Nationalsozialisten
unter der Leitung des ehemaligen Falschgeldfahnders und nunmehrigen
Sturmbannführers Bernhard Krüger erdachter Geheimplan,
wurde 1942 ins Leben gerufen. Sein Ziel war u.a. die Fälschung
von britischen Pfund und US-Dollars, zunächst, um damit die
feindliche Wirtschaft durch Inflation und einen Vertrauensverlust
in die jeweilige Währung zu schwächen, später auch,
um kriegswichtige Investitionen z.B. in die Rüstung und den
dringend nötigen Ankauf von Rohstoffen zu tätigen.
Das Personal für die Fälscherwerkstatt
fanden die Nazis in ihren Konzentrationslagern. Von überall
her wurden Spezialisten mit Fälscher-Knowhow – inhaftierte
Bankangestellte, Drucker, Grafiker oder Typografen und professionelle
Fälscher – nach Sachsenhausen gebracht, um dort
den Plan in die Tat umzusetzen. Von der Außenwelt abgeschirmt,
wurden die überwiegend jüdischen Häftlinge
in Block 18 und 19 des Lagers Sachsenhausen dazu gezwungen,
für das streng geheime Unternehmen der Nazis zu fälschen.
Die jüdischen Häftlinge waren für die Nazis
eine zusätzliche Garantie für die Geheimhaltung des
Projektes – sie konnten jederzeit von den SS-Schergen
umgebracht werden.
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BUCH
Adolf Burger: Des Teufels Werkstatt. München 2007.
VERMITTLUNG
Unter den Häftlingen der Fälscherbaracke gab es massive Spannungen
die ihren Grund in unterschiedlichen sozialen Hintergründen und politischen Überzeugungen
hatten.
Vor dem Besuch des Filmes werden einzelne Schüler/innen aufgefordert besonders
auf einzelne Häftlinge zu achten um in einer Diskussion nach dem Film festzustellen
wer diese Personen sind, wie ihr Leben vor dem Nationalsozialismus aussah und
was sie wohl nach der Befreiung aus dem KZ machten.
Ziel: Während heute "die Juden" als eine Gruppe Verfolgter
gesehen werden, so handelte es sich in Wirklichkeit um heterogene Individuen – die
Erkenntnis, dass es um unterschiedliche einzelne Schicksale und Biographien
geht, gibt den Schüler/inne/n die Möglichkeit sich mit den
Opfern des Holocaust zu identifizieren. |
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Im "Goldenen Käfig", wie die Insassen ihre Abteilung
nannten, wurde vor allem Falschgeld gedruckt, zudem auch Ausweise
und Drucksorten für den Geheimdienst, sowie Briefmarken mit
propagandistischen Aufdrucken. Insgesamt wurden zwischen 1942 und
1945 in Sachsenhausen 134 Millionen Pfund hergestellt – das
Dreifache der Währungsreserven Großbritanniens. Fast 150
Häftlinge arbeiteten daran, Banknoten zu 5, 10, 20 und 50 Pfund
herzustellen. Die Fälschungen des "Unternehmen Bernhard" waren
so perfekt, dass sie kaum vom Original unterschieden werden konnten.
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INFO
Gedenkstätte
Sachsenhausen mit
online-Ausstellung
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Als den Häftlingen trotz eigener Verzögerungstaktik schließlich
das englische Pfund perfekt gelang, erhielten sie sofort den Auftrag,
den US-Dollar zu fälschen. Um die "Dollar-Gruppe" zu
unterstützen, brachte Krüger 1944 einen neuen Häftling
in die Fälscherwerkstatt, Salomon Smolianoff, genannt "Solly",
ein russisch-jüdischer Kunstmaler und der berüchtigtste
Kunst- und Geldfälscher seiner Zeit. Er ist das Vorbild der
Hauptfigur der FÄLSCHER, Salomon Sorowitsch. Wie Sorowitsch
landete Smolianoff auch in der Realität vor dem Krieg im Gefängnis,
weil er wegen einer schönen Frau eine Nacht zu lange in Berlin
geblieben war. Und genau wie es im Film der spätere Lagerkommandant
Friedrich Herzog war, der Sorowitsch verhaftete, war es in der Realität
Krüger, der den "echten Sorowitsch" Smolianoff ins
Gefängnis brachte. 1939 wurde er in das KZ Mauthausen überstellt,
dort gelang es ihm, sich den SS-Wachen als Portraitmaler anzudienen – und
so kam er im Jahr 1944 "mit einem kleinen Bäuchlein" (Zitat
Adolf Burger) in der Fälscherwerkstatt Sachsenhausen an.
Doch das Jahr ging auch mit Smolianoff zu Ende, ohne dass ein brauchbarer
Dollar gedruckt wurde. Die Gruppe schaffte es, das schwierige Druckverfahren über
mehrere Monate zu verzögern. Smolianoff beteiligte sich nicht
an den Sabotage-Aktionen anderer Gruppenmitglieder, der Meisterfälscher
arbeitete hart und zeigte, was er konnte. Doch seine Kameraden wollten
die Produktion so lange wie möglich hinausschieben und verdarben
absichtlich die zum Druck benötigte Gelatine.
Als die nun unter Druck stehenden Lagerkommandanten der Gruppe mit
Erschießungen drohten, stoppten die Häftlinge die Sabotagen
und lieferten die ersten perfekten Dollarblüten. Ihr Ziel hatten
sie jedoch erreicht, die Verzögerungstaktik war erfolgreich:
Die Alliierten waren im Anmarsch, und der gefälschte Dollar
konnte nicht mehr in Massenproduktion gehen.
Das Ende des "Unternehmen Bernhard"
Die filmische Erzählung endet im KZ Sachsenhausen. Die historischen
Vorbilder wurden Anfang 1945, als die Ostfront zusammenbrach und
die Russen in einem Generalangriff die Oder überquerten und
Richtung Berlin marschierten, nach Süden transferiert. Die gesamte
Fälscherwerkstatt wurde in Richtung "Alpenfestung",
zunächst nach Mauthausen und dann in das KZ Nebenlager Ebensee,
gebracht, wo sie von der US-Armee befreit wurden. Die herannahenden
Alliierten bedrohten die Versuche der Nazis, das Falschgeld in Sicherheit
zu bringen. So versenkten SS-Angehörige im Mai 1945 zahlreiche
Kisten mit gefälschten britischen Pfundnoten im Toplitzsee.
Die Spuren des Oberfälschers Smolianoff verloren sich nach seiner
Befreiung. Gerüchteweise tauchte er kurz nach Kriegsende in Monte
Carlo auf, wo er viel Geld im Casino verspielte.
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BUCH
Zum Widerstand in den Konzentrationslagern:
Hermann Langbein: . . . nicht wie die Schafe zur Schlachtbank.
Widerstand in den Nationalsozialistischen Konzentrationslagern 1938-1945.
Frankfurt 1980.
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